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Literatur hausgemacht

Hotel Rheinischer Hof – in Essen-Rüttenscheid


Hier war Goethe nie –

aber seinem ‚Geist‘ begegnen Sie auf Schritt und Tritt in unserem Hause. Unter ‚Literatur hausgemacht‘ finden Sie bei uns eine ganz eigene, humorvolle Auffrischung rund um Goethes Faust – inklusive Biographie und unserem ‚Faust‘ in zwei Teilen.“

1. Goethes Faust

Ist es schon länger her, dass Sie den Faust gelesen haben? Dann freuen Sie sich auf unseren besonderen Auffrischungskurs – von ‚Prolog im Himmel‘ bis ‚Kerker‘, mit viel Augenzwinkern.

2. Goethes Faust

Nach Gretchen geht’s weiter: Faust ringt mit sich selbst, Geister, Kaiserhof und Karneval inklusive – und natürlich Mephisto mittendrin.

3. Goethes Biographie

Die ganze Wahrheit über Goethes Leben – mit Blick auf Kindheit, Karriere und seine Zeit.
Teil 1

Zueignung (Verse 1-32)

Hier erzählt uns Goethe was über die Erschaffung der Erde. Und zwar ungefähr 32 Verse zu lang.

Vorspiel auf der Theaterbühne (Verse 33-242)

Der Theaterdirektor, ein Dichter und ein Schalk zoffen sich über die Gestaltung des nächsten Stückes, das aufgeführt werden soll. Der Direktor will volle Kassen, der Dichter was aufklärerisches (so in Richtung Luther) und der Schalk `ne Komödie. Und was kommt dabei raus? Genau, Goethes Faust.

Prolog im Himmel (Verse 243-353)

Die drei Erzengel lobsingen Gott, der auch da ist. Und jetzt kommt unser Teufel ins Spiel. Dem ist nämlich total langweilig und deswegen schwatzt er Gott eine Wette auf: Er wettet, dass er es schafft, Heinrich Faust, einen treuen – wenn auch etwas verwirrten -Diener Gottes vom rechten Weg abzubringen. Gott hält dagegen und sagt Mephisto( so nennt Goethe den Teufel-klingt ja auch besser als „Teufel“ oder „Satan“) voraus, dass dieser eh verlieren wird. Schau`n wir mal, ob er recht behält- und auf geht’s!

Nacht (Verse 354-807)

Erstmal müssen wir Faust ja kennenlernen, also gehen wir jetzt in sein Studierzimmer an der Uni, eine Mischung aus Buchladen und Labor. Und aufräumen könnte er auch mal wieder.

Unser Faust hat richtig was auf dem Kasten und so ziemlich alle Wissenschaften studiert, die man sich vorstellen kann: Mathematik, Physik, Chemie, Geschichte, Medizin, Literatur, Theologie. Sein Wissen gibt er auf recht eigene Art und Weise an seine Studenten weiter, so ein richtig zerstreuter Prof halt. Aber sehr hoch angesehen.

Privat ist er gerade total depri drauf, er ist richtig down, weil sein ganzes Wissen ihn noch nicht zum Sinn des Lebens geführt hat.

-2-

Warum es also nicht mal mit Magie versuchen? Er schnappt sich `ne Ausgabe von Nostradamus und beschwört mal eben einen Erdgeist herbei. Soll der ihm doch sagen, wo`s langgeht! Kann er aber nicht und verzieht sich auch schnell wieder.

Da Faust im Moment ja eh alles doof findet, beschließt er, sich umzubringen. Und zwar mit einer selbstgebrauten Tinktur aus einem Reagenzglas, wovon er sonst immer nur ein paar Tropfen nimmt, wenn er mal pennen will. Das ganze Glas also -todsichere Sache. Faust setzt

das Glas im letzten Moment ab, weil er die Osterglocken hört und die ihn an schöne Kindheitstage erinnern.

Wär ja jetzt auch blöd gewesen, wenn die Hauptperson gleich am Anfang ins Gras gebissen hätte…

Vor dem Tor (Verse 808-1177)

Faust macht mit Wagner, einem anderen Prof, einen Osterspaziergang. Wagner und Faust liefern sich übrigens öfter mal echt witzige Wortgefechte, wie man sie sonst nur an der Theke nach ein paar Bier erlebt. Wagner ist nämlich so`n richtiger Bücherwurm und hat 0 Verständnis, dass Faust sich mit Magie beschäftigt. Aber eigentlich mögen sich die beiden. Alle Leute sind draußen und begrüßen singend und tanzend den Frühling. Faust hat aber keinen Bock auf Party und regt sich lieber über einen schwarzen Pudel auf, der um ihn und Wagner herumspringt.

Studierzimmer (Verse 1178-2072)

Faust ist wieder in seinem Chaos angekommen und ist den Köter nicht losgeworden. Irgendwie merkt er, dass mit dem Vieh was nicht stimmt und beschwört es mit Zaubersprüchen. Und nach ein bisschen Tam – Tam und ´ ner Menge Rauch wird aus dem Pudel unser Mephisto.

Die beiden schließen einen Pakt, den sie mit einer roten Hahnenfeder und ihrem eigenen Blut auf Pergament unterzeichnen: Der Teufel verpflichtet sich, Faust auf Erden zu dienen und ihn mit irdischen Gelüsten zur vollkommenen Zufriedenheit zu führen. Schafft er das, muß Faust ihm im Jenseits auf ewig dienen. Die Wette gilt für Mephisto als gewonnen, wenn Faust die Worte spricht :“Werd ich zum Augenblicke sagen: verweile doch, du bist so schön(….)“Daß Mephisto auch noch ´ne Wette mit Gott am Start hat, weiß unser Heinrich natürlich nicht.

Auerbach`s Keller ( Verse 2073-2336)

Auerbach`s Keller ist `ne Kneipe, in der nix los ist – der absolute Horror eines jeden Gastronomen also. Es sitzen bloß vier Studenten an einem Holztisch und trinken sich gelangweilt einen.

Mephisto will Faust abfüllen und macht sich voll zum Kaspar. Er tanzt, singt, macht Musik und haut zum guten Schluß mit seinem roten Zauberstab 4 Löcher in den Holztisch ,aus denen 4 verschiedene Weine fließen, die sich die Studenten vorher gewünscht haben.

Jetzt wissen wir auch endlich, wem wir es zu verdanken haben, dass Udo Jürgens uns Jahre später mit der Schnulze „Der Teufel hat den Wein gemacht“ beglückte. Goethe ist schuld, wer hätte das gedacht?(Haben Sie mich erwischt? Eigentlich müsste es heißen „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“. Das hätte jetzt aber nicht gepasst, also gönnen Sie mir ein bisschen dichterische Freiheit…). Aber nun zurück mit uns in Auerbach`s Keller:

Alle finden das mit dem Wein klasse und geben sich die Kante, nur unsere Spaßbremse Faust ist immer noch absolut party-resistent und zwingt Mephisto, mit ihm zu gehen.

-3-

Hexenküche (Verse 2337-2604)

Ganz schön dumm gelaufen für unseren Teufel. Mit Wein und Gesang kommt er bei Faust nicht weit, also müssen jetzt die Weiber her. Und mit denen hatte Faust sein Leben lang nix am Hut.

Mephisto zerrt Faust in eine Hexenküche und lässt ihm ´ne ordentliche Portion Verjüngungstrunk verpassen. Gleichzeitig lässt er in einem Zauberspiegel das Bild einer hübschen ,nackten jungen Frau erscheinen. Unser Heinrich wird nun durch diesen Zauber auf die nächste Frau abfahren, die ihm begegnet-egal, wie sie aussieht. Das muß doch jetzt was werden!

Straße (Verse 2605-2677)

Wird es auch, denn Faust begegnet Gretchen. Die ist das tugendhafteste, gläubigste, hübscheste junge Mädchen, das im ganzen Ort rumläuft und kommt gerade von der Beichte, wo sie für nichts um Vergebung gebeten hat. Da hätte der Teufel wohl besser aufpassen sollen, denn über sie hat er keine Gewalt. Dumm gelaufen, denn Faust entbrennt in unendlicher Liebe. Na, wenigstens hat der Zaubertrunk gewirkt.

Mephisto tut alles, um Faust von Gretchen abzubringen, es rennen so viele Schnecken rum, mit denen es einfach für den Teufel gelaufen wäre, Faust zu verführen, und dann muß es ausgerechnet die sein? So anstrengend hat sich unser Teufel das nicht vorgestellt, jetzt muß er sich richtig was einfallen lassen.

Abend/Spaziergang (Verse 2678-2804)

Mephisto verschafft Faust Zutritt zu Gretchens Zimmer, während sie nicht da ist. Dadurch wird der noch wilder auf die Kleine.

Der Teufel versteckt ein Kästchen mit Schmuck in Gretchens Schrank Da sie total arm ist, hofft er, sie so für Faust gewinnen zu können.

Und Gretchen? Die ist erst mal platt, als sie den Schmuck findet und hin -und hergerissen, was sie nun tun soll.

Sie zeigt den Schmuck ihrer Mutter, die noch gläubiger ist, als Gretchen selbst und sofort den Pfarrer ruft – Spitzenidee!

So ein Pfarrer hilft ja gern, der nimmt den Schmuck mit und verspricht den beiden dafür himmlischen Lohn.

Mephisto speiht Feuer und Galle, es muß sofort ein Plan B her.

Plan B ist erstmal neuer Schmuck, und da Gretchen der Heinrich auch nicht mehr aus dem Kopf geht und sie den Schmuck echt gut findet, zeigt sie ihn diesmal nicht ihrer Mutter, sondern geht damit zu ihrer Nachbarin Marthe.

Der Nachbarin Haus (Verse 2865-3024)

Marthe ist ´ne frustrierte, alte Jungfer, deren Mann seit Jahren aus dem Krieg nicht zurückgekommen ist. Das findet sie eigentlich gar nicht so schlimm, weil der Typ eh nur andere Weiber und Alkohol im Kopf hatte. Wenn man sie sieht, kann man das aber verstehen…Sie geht davon aus, dass ihr Kerl tot ist, und ist sauer, dass er ihr nix vererbt hat. Als Soldat hat man damals nämlich fett Kohle verdient.

Damit schwallt sie Gretchen zu, während die sich gerade die Halskette aus ihrem neuesten Schmuck- Vorrat anlegt.

In dem Moment klingelt es und wer kommt rein? Mephisto, was für ein Zufall!

-4-

Er gibt sich als Freund von Marthes verschollenem Mann aus und tischt ihr eine haarsträubende Geschichte über dessen ach – so -bedauerliches Dahinscheiden auf, da er ja

ein so gläubiger Mann gewesen sei und am Sterbebett nur von seiner Frau und seinen Sünden gesprochen habe.

Das einzige, was Marthe interessiert, ist aber, ob ihr Mann Mephisto wenigstens Kohle mitgegeben hat.

Total materialistisch, die Alte! Natürlich hat Mephisto dafür `ne Antwort parat. Er erklärt, dass Marthes Mann ihm sehr viel Geld gegeben habe mit der Bitte,300 Messen für die Ver-

gebung seiner Sünden lesen zu lassen. Er sei dieser Bitte natürlich nachgekommen.

Klar, dass Mephisto so einen Müll redet, schließlich will er ja Gretchen beeindrucken.

Als Gretchen im Nebenzimmer verschwindet, zeigt Mephisto sein wahres Gesicht: Er sagt Marthe, dass ihr Mann sich `ne Jüngere genommen und mit der bis zu seinem Tod die ganze Kohle durchgebracht hat. Das könnte wohl schon eher hinkommen, ist aber natürlich auch voll gelogen.

Marthe glaubt unserem Teufel erstmal gar nix mehr und zweifelt an, dass ihr Alter echt tot ist. Deshalb verspricht Mephisto, am Abend wiederzukommen und jemanden mitzubringen, der bezeugen kann, dass der ganze Unsinn wahr ist. Allerdings nur unter der Bedingung, dass Gretchen dann auch da ist. Geschickt eingefädelt.

Elender Kuppler!

Straße und Marthes Garten ( Verse 3025-3216)

Mephisto macht Faust klar, was er abends zu erzählen hat. Faust findet lügen nicht o.k., aber die Aussicht, Gretchen zu sehen, ist stärker, also macht er mit.

Man trifft sich also in Marthes Garten. Faust und Gretchen schweben im siebten Himmel während Mephisto ein echtes Problem hat: Marthe ist nicht nur total geld -sondern auch noch notgeil und hängt ihm im wahrsten Sinne des Wortes am Hals. Um seine Wetten noch zu gewinnen, muß er da aber jetzt durch.

Wald und Höhle/Marthes Garten (Verse 3217-3543)

Faust ist langsam davon genervt, dass er so von Mephisto abhängig ist.

Gretchen ist total verknallt und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Die beiden treffen sich wieder im Garten von Marthe und Gretchen stellt Faust die berühmte Gretchen-Frage (Sorry, aber ganz ohne Zitate schaff ich`s dann doch nicht, das erste haben Sie ja auch überlebt, wenn Sie schon bis hierhin gekommen sind J ): „ Nun sag, wie hast Du`s mit der Religion?“

Er windet sich raus und gibt keine ganz klare Antwort.

Da Gretchen verliebt ist, gibt sie sich damit zufrieden und verabredet sogar eine gemeinsame Nacht mit ihm in ihrem Zimmer.

Damit ihre Mutter nix mitkriegt, gibt Faust ihr 3 Tropfen von seinem Reagenzglasgebräu, die Gretchen der Mutter in den Tee mischen soll.

Ganz schön abgezockt!

-5-

Am Brunnen/Zwinger/Nacht (Verse 3544-3775)

Es sind einige Tage vergangen. Gretchen trifft eine Freundin am Brunnen, die von einer gemeinsamen Bekannten erzählt, welche einen heimlichen Liebhaber hatte, von dem sie schwanger wurde und der Typ dann Leine zog.

Gretchen fühlt sich voll mies, sie bereut, sich auf Faust eingelassen zu haben. Und hat total Schiss, auch schwanger zu sein. Übrigens zu recht, da war also gleich der erste Schuß ein Treffer…

Nun taucht auch noch Valentin, Gretchens Bruder, auf. Der ist Soldat und hat sich schon ewig nicht blicken lassen.

Die Buschtrommeln haben ihm gepfiffen, dass seine Schwester auf Abwegen ist –ja, ja, ging auch ohne Bildzeitung damals…

Faust und Mephisto sind inzwischen dabei, den Kirchenschatz zu stehlen. Schließlich müssen neue Klunker für Gretchen her.

Schlechtes Timing, denn jetzt taucht Valentin auf und zieht auch direkt einen Degen.

Alle drei duellieren sich und Faust ersticht Valentin, nachdem Mephisto ihn angestachelt hat.

Was für ein Triumph für den Teufel, er hat Faust zum Mörder gemacht.

Die beiden hauen ab, es gibt einen Volksauflauf (ohne Käse überbacken) ,auch Gretchen ist dabei.

Ihr Bruder liegt in den letzten Atemzügen, schafft es aber noch, sie vor allen anderen als Hure und Mörderin zu beschimpfen. Die Arme!

Dom/Walpurgisnacht/Walpurgisnachtstraum (Verse 3776-4398)

Inzwischen sind Monate vergangen, Faust hat Gretchen nie wieder gesehen, da er sich als Mörder im Dorf nicht blicken lassen kann, denn es gibt Zeugen. Doch er denkt nonstop an sie.

Mephisto nimmt Faust mit zur Walpurgisnacht, um ihn von Gretchen abzulenken.

Dort befinden sich nur abgedrehte Typen: Geister, Gnome, Zauberer, Hexen und alle haben ordentlich Zaubertrunk intus und feiern ab. Also so ungefähr wie morgens um 3 im *CD. Die Hexen sehen auch zum Teil echt scharf aus und Mephisto hofft, dass eine von ihnen Faust ablenken kann.

Aber wir können uns ja vorstellen, wer mal wieder keinen Bock auf Party hat und schon gar nicht auf ´ne andere Schnalle…

Faust hat eine Erscheinung, er sieht Gretchen im Nebel und erkennt, dass es ihr richtig schlecht geht .Sie sitzt nämlich im Knast, weil sie aus Verzweiflung ihr neugeborenes Kind umgebracht hat und wartet nun auf ihre Hinrichtung.

Faust nötigt Mephisto, mit ihm Gretchen aus dem Knast zu holen. Der ist alles andere als begeistert, aber da er die Wette gegen Faust noch nicht gewonnen hat, dient er ihm weiter.

Und ab geht`s zum Gefängnis.

Kerker (Verse 4405-4612)

Mephisto klaut dem Wärter den Schlüssel und schiebt Wache, Faust geht zu Gretchen. Die ist völlig neben der Spur, geistig total verwirrt und es dauert eine Weile, bis sie Faust erkennt.

Sie ist unsicher, ob sie mit ihm gehen soll, denn schließlich ist er der Mörder ihres Bruders.

Und unabsichtlich auch der ihrer Mutter, denn die ist von Faust´s K.O. -Tropfen nie wieder aufgewacht.

* Anm. der Red.: CD= „Club David“ – Diskothek in Rüttenscheid

-6-

Unser Faust ein Serienmörder – so was !

Gretchen entscheidet sich ,nicht mit ihm zu gehen. Braves Mädchen!

Inzwischen kommt Mephisto reingerannt.Der Wärter, den er umgehauen hat, um an den Schlüssel zu kommen, ist wieder wach und rückt mit Verstärkung an.

Höchste Zeit, abzuhauen! Sonst kann Heinrich als Mörder ja auch gleich im Knast bleiben.

Mephisto erklärt Faust, daß Gretchen verloren sei, doch vom Himmel ertönt die Stimme Gottes: “Sie ist gerettet“.

Gretchen stirbt.                                        

Ende

Was sagt uns das Ganze?

  1. Mephisto hat die Wette gegen Faust nicht gewonnen, da der ja die entscheidenden Worte nicht gesagt hat.
  2. Mephisto hat die Wette mit Gott auch nicht wirklich gewonnen, da Faust sich ja immer noch dem Guten zuwenden kann und Gott ihm dann vergeben würde.
  3. Wer wirklich glaubt, wird gerettet – Gott hat ja Gretchen nach ihren Hardcore-Actionen auch verziehen.

Also, alles ist gut und das Gute stärker als das Böse. Und ich werd mir jetzt überlegen, ob ich aus der Story ´ne Soap drehen lasse….J

Ich hoffe, Sie hatten beim Lesen genau soviel Spaß wie ich beim Schreiben!

© F.Sabat, 2008, Essen

Teil 2

Erster Akt

Die Aktion mit Gretchen ist ja nicht ganz so rund gelaufen, wie Sie bereits in Teil 1 gelesen haben.

Unser Faust ist körperlich und nervlich total am Ende.

Unruhig, übermüdet und auch ein bisschen vom schlechten Gewissen geplagt liegt er nun auf einer Wiese und versucht verzweifelt, einzuschlafen.

So ganz haut das aber nicht hin.

In der Dämmerung sieht er über sich einen Geisterkreis schweben.

Ob daher wohl der vielzitierte Ausdruck „geistige Umnachtung“ stammt?

Wie auch immer. Mit Geistern hat er es ja, unser Faust. Und nachdem die Sache mit dem Erdgeist in Teil 1 ja eine Nullnummer war, versucht er es diesmal mit dem Luftgeist Ariel.

Der Kerl heisst ja genauso wie das Waschmittel. Ein Jammer, dass ich für diese geschickte Produktplatzierung keinen Werbevertrag bekomme.

Zur Findung des Lebenssinnes hat Ariel jedenfalls nicht allzu viel beizutragen.

Aber immerhin meint er es gut mit Faust und weist darum seine Elfen an, diesen in den heilenden Schlaf des Vergessens zu hüllen.

Das Ganze wirkt besser als jedes Schlafmittel, als geheilt kann man unseren Heinrich aber dennoch kaum bezeichnen.

Denn kaum ist er, fit wie ein Turnschuh und ausgeschlafen wie der Morgentau wieder wach, hat er nichts anderes zu tun, als augenblicklich wieder nach dem höchsten Dasein zu streben.

Er hat doch tatsächlich rein gar nicht dazugelernt, unser Faust.

Nun steht er da wie ein Hans – Guck – in – die – Luft und starrt in den Himmel, da er dort das Geheimnis dessen vermutet, was die Welt im innersten zusammenhält.

Die Sonne macht ihm mit ihren grellen Strahlen einen Strich durch die Rechnung und zwingt ihn so, auf die Erde zu schauen.

Das kann den Unverbesserlichen natürlich nicht von seinem Vorhaben abbringen.

Ein Regenbogen spiegelt sich auf der Erde und Faust versucht, in diesem den Sinn des menschlichen Strebens zu erkennen.

Übrigens vergebens.

Ein paar Psychopharmaka hätten ihm sicher nicht geschadet, um ihn von seinen Hallus zu befreien.

Mal sehen, wo das noch hinführen soll.

Inzwischen ist einige Zeit vergangen und es ist Karneval.

Mephisto befindet sich im Palast des Kaisers, bei dem er einen Job als Hofnarr angenommen hat.

Vielleicht zieht ja so einmal ein bisschen Humor in sein grundböses Wesen ein.

Im Thronensaal warten alle total aufgemotzt und rausgeputzt auf das Eintreffen des Kaisers, der schliesslich mit einem Astrologen an seiner Seite den Thron besteigt.

Der Kaiser ist eigentlich in Partylaune und will Karneval feiern, muß sich aber erst einmal das Gejammer seiner Untertanen anhören.

Und die geben so richtig Gas.

Der Kanzler, der Hofmarshall, der Heermeister, alle beklagen sich über ein- und dasselbe: Zu wenig Kohle.

An manchen Themen ändert sich doch wirklich nie was.

Die Stimmung des Kaisers ist kurz vorm Kippen und innerlich verflucht er seinen Horoskop-Dichter, der ihn ja nun wirklich hätte warnen können.

Aber zum Glück ist ja unser Mephisto da. Der schafft Abhilfe, indem er mal eben alle Bodenschätze und Schatzfunde dem Kaiser zuspricht und nebenbei noch die Deckung des Papiergeldes verändert.

Zu Gunsten der Kaufkraft, versteht sich. So einfach geht das.

Da könnten sich unsere Politiker jetzt wirklich mal `ne Scheibe von abschneiden und so den totgeglaubten Mittelstand zu neuem Leben erwecken. Aber das nur am Rande.

Jedenfalls ist das leidige keine-Knete-Thema erst mal vom Tisch und nun kann endlich Karneval gefeiert werden.

Dazu erscheinen jede Menge antiker und historischer Personen aus der römischen Geschichte.

Auch Faust, Mephisto und der Kaiser mischen sich maskiert unter die Gäste.

Ich könnte nun eine Who-ist-Who-Liste mit den Namen der römischen Gestalten erstellen.

Aber das erspare ich mir und Ihnen.

Wer die ernsthaft wissen will, lese sie bitte im Original nach.

Nur soviel sei gesagt: Mephisto verkörpert die Hässlichkeit und den Geiz, der Kaiser die Vergnügungssucht, der Knabe Euphorion, den wir erst noch kennenlernen werden, die Poesie.

Und unser Faust soll als Sinnbild des Reichtums alle Geldsorgen des Kaisers vertreiben.

Am Ende der Fete entsteht ein flammendes Inferno, das die Masken aller Anwesenden verbrennt und von Faust gelöscht wird.

Ganz ehrlich – so ganz hatten die doch nicht alle Latten auf dem Zaun damals.

Ich bin mir sicher, dass Faust Goethe etwas von seinem Zaubertrunk abgegeben hat, bevor der diese Szene geschrieben hat.

Und ich kann nun zusehen, wie ich das wirre Ergebnis zusammengefasst kriege.

Nun gut, die Masken sind gefallen und in Schutt und Asche gelegt und der Kaiser erholt sich in seinem „Lustgarten“ von der Party.

Mephisto und Faust hängen da auch rum und so erzählt der Kaiser Faust, dass er zukünftig mehr Partys schmeißen will.

Vorerst soll Faust ihm Helena und Paris, die Urbilder der Schönheit, an seinen Hof holen.

Die römischen Götter reichen dem Kaiser wohl nicht aus, jetzt müssen auch noch die griechischen her.

Ganz schön vergnügungssüchtig ist er geworden, der Kaiser, seitdem ihn seine Berater mit dem Spaß am Geld ausgeben angesteckt haben.

Faust hat absolut keine Ahnung, wie er Helena und Paris an den Start kriegen soll und klagt Mephisto sein Leid.

Unser Teufel wäre nicht der Teufel, hätte er nicht schon wieder eine Lösung parat.

Die Sache ist ganz easy.

Faust braucht bloß einen magischen Schlüssel aus dem dunklen Reich der Mütter, dem tiefsten Martyrium, zu holen und wird durch diesen an den glühenden Dreifuß gelangen, mit dem er Helena und Paris gefügig machen kann.

Na, wenn´s weiter nix ist.

Die Sache ist geritzt. Faust macht sich auf den Weg ins Reich der Mütter.

Mephisto ist unterdessen genervt, da er ständig vom Hofvolk genötigt wird, dessen Wewehchen mit seinen Hexenküchenkünsten zu heilen.

Sich mit solchen Lappalien wie  Sommersprossen oder Liebeskummer zu beschäftigen, geht unserem Teufel aber natürlich gehörig gegen den Strich.

Währenddessen hat Faust die Geister der Helena und des Paris aufgetrieben und diese treten für den Kaiser auf.

Sie spielen die Szene des Raubes der Helena und bei Faust vermischen sich mal wieder Realität und Illusion.

Er kriegt es nicht klar, dass es sich nur um ein Theaterspiel handelt und stürmt mutig wie ein Löwe auf die Bühne um die schöne Helena zu retten.

Und das war´s dann auch mit der Aufführung. Die Geister haben keinen Bock, sich in ihr Drehbuch reinreden zu lassen, lösen sich in Luft auf und hinterlassen einen total paralysierten Faust.

Es wird einfach nicht besser mit ihm, er driftet noch völlig ab.

An dieser Stelle ist ganz sicher die Frage erlaubt, wie gaga unsere Hauptperson im Laufe des Dramas wohl noch wird.

Soviel sei verraten: das Endstadium seiner zu vermutenden Psychose ist noch lange nicht erreicht.

Zweiter Akt

Mephisto betritt das alte Studierzimmer von Faust. Sie wissen schon, das kreative Chaos aus Teil 1. Es sieht auch noch genauso aus wie früher.

Er entdeckt die Feder, mit der Faust und er seinerzeit den teuflischen Pakt unterschrieben haben.

Keine Sorge, der Teufel wird jetzt nicht melancholisch.

Er führt wie erwartet mal wieder nicht Gutes im Schilde.

Er verkleidet sich mit Faust´s Doktormantel als Dozent und empfängt den neuen Professor, der an Wagners Stelle getreten ist.

So erfährt er, dass Wagner sich inzwischen ganz der Naturwissenschaft verschrieben hat und an einem hochgeheimen Projekt arbeitet.

Das weckt natürlich Mephisto´s Neugier und er schickt den neuen Prof los, Wagner herbeizuholen.

Während der davoneilt, trifft unser Teufel einen alten Bekannten wieder.

Der Schüler, bei dem er sich damals als Professor Faust ausgegeben hat, taucht auf.

Er hat an Selbstbewusstsein dazugewonnen und anstatt den großen Meister zu bewundern, ist er inzwischen der Meinung, diesen locker in die Tasche zu stecken.

Mephisto lässt sich auf das Spielchen ein und mimt ironisch den Unterlegenen.

Zurück zu Faust. Der ist nach der missglückten Helena-Rettungsaktion vor Schreck ohnmächtig geworden und Mephisto versetzt ihn in sein altes Studierzimmer, wo er nun auf dem Bett liegt.

Besonders fürsorglich ist unser Mephisto ja bekanntlich nicht, und so hat er Besseres zu tun, als sich um seinen alten Verbündeten zu kümmern.

Da Wagner nicht freiwillig aufgetaucht ist, sucht Mephisto ihn nun in seinem Labor auf.

Wagner ist gerade dabei, den ersten künstlichen Menschen der Welt zu erschaffen, den Homunkulus.

Wie bezeichnend, dass dabei nun unser Teufel anwesend ist.

Und so richten sich die ersten Worte des Homunkulus an Mephisto und er bedankt sich bei ihm, dass der in dieser Stunde bei ihm ist.

Das dürfte Wagner nicht so gut gefallen haben, schließlich ist er doch hier der Dr. Jekyll.

Homunkulus sieht im Nebenzimmer Faust auf dem Bett liegen und kann seine Gedanken lesen.

Die drehen sich mal wieder um schöne Frauen, allen voran Helena.

Na, über Gretchen scheint er ja schnell hinweggekommen zu sein.

Homunkulus beschließt, zur Walpurgisnacht nach Griechenland aufzubrechen, weil er dort Helena vermutet.

Mephisto hat nichts dagegen. Er hat die thessalischen Hexen im Kopf, die wirklich rattenscharf aussehen.

So folgt der Teufel Homunkulus.

Immerhin ist er aber so gnädig, den schlafenden Faust mit nach Griechenland zu schleppen.

Dort angekommen erscheint die thessalische Hexe Erichtho als Vorbotin der Walpurgisnacht.

Und wie wir es ja nun schon kennen, verwirrt diese düstere Botschafterin ihre Zuhörer, indem sie die vorolympische Zeit, die römische Zeit und den griechischen Befreiungskampf gehörig miteinander vermischt.

Keine Ahnung, was die vorher eingeworfen hat, aber es könnte garantiert eine Marktlücke schließen.

Das Gefasel hat auch erst ein Ende, als Mephisto, Faust und Homunkulus als Luftfahrer den Ort erreichen. Erichtho haut bei diesem Anblick ganz schnell ab. Kann man ihr ja nicht verdenken.

Faust erwacht unterdessen auf einem antiken Schlachtfeld, auf dem Caesar einst Pompejus besiegte, und sammelt durch die Berührung mit dem Boden neue Kräfte.

Er sucht Helena und landet mal wieder in der Unterwelt.

Mephisto hingegen ist auf der Suche nach einem erotischen Abenteuer.

Leider will ihn keine ranlassen und er blitzt bei den Hexen und Sphinxen voll ab.

Also heckt er frustriert einen neuen Plan aus, wie er Faust zur absoluten Erfüllung bringen kann.

Er macht sich auf in die Höhle der Phorkyaden.

Diese drei Tussen sind die Töchter des Chaos und haben gemeinsam nur einen Zahn und ein Auge.

Und diesen Zahn und das Auge leihen sie tatsächlich Mephisto, damit der in die Gestalt der Phorkyas, der Leiterin von Helena´s Chor, schlüpfen kann.

Das ist nach dem Geschmack unseres Teufels, denn so will der elende Kuppler Helena und Faust zusammenführen, um endlich seine Wette zu gewinnen.

Ach ja, und dann ist da ja noch Homunkulus. Mal gucken, wo der abgeblieben ist.

Er hat sich in den Kopf gesetzt, ein richtiger Mensch zu werden und ist dabei bei den beiden Vorsokratikern Anaxagoras und Thales gelandet, von denen der eine das Lebendige im Feuer, der andere den Lebensursprung hingegen im Wasser sieht.

Er entscheidet sich für das Wasser, weil sich Thales als etwas geduldiger erweist.

Gemeinsam versuchen die beiden nun von Nereus, dem Greis des Meeres, etwas über das Geheimnis des Entstehens zu erfahren.

Nereus kann aber keine Menschen leiden und sieht es nicht ein, Homunkulus zu helfen.

So schiebt er den schwarzen Peter weiter an Proteus, der sich ständig in viele verschiedene Gestalten verwandelt. Womit er in diesem Werk ja nicht allein dasteht.

Proteus hat einen steinernen Delphin, mit dessen Hilfe er sich fortbewegt. Homunkulus besteigt den Delphin und zerschellt mit ihm am Muschelwagen der Meeresgöttin.

Klingt wie eine Szene aus einem Horrorfilm, finde ich.

Naja, wenigstens sind wir Homunkulus hoffentlich schon mal los.

Dritter Akt

Helena soll für den König eine Opferzeremonie vorbereiten.

Leider hat der König vergessen, ihr zu sagen, was beziehungsweise wer geopfert werden soll.

Nämlich sie selbst.

Sie ahnt es aber und ist darum ganz schön mies drauf.

Als sie das Schloß inspiziert, welches nach dem Krieg um Troja verlassen da liegt, trifft sie unseren Mephisto in Gestalt der Porkhyas.

Er bietet ihr an, sie und ihren Chor auf eine Burg zu bringen, wo sie angeblich absolut sicher sein sollen. Helena nimmt den Vorschlag erleichtert an.

Der König lässt sich jedoch so leicht nicht abschütteln, wird aber von Mephisto besiegt.

Helena und ihr Gefolge sind happy und Mephisto schafft Faust heran.

Sein Plan scheint aufzugehen. Helena und Faust beginnen eine Affäre und zeugen einen Sohn, Euphorion.

Der ist uns ja schon im ersten Akt begegnet, obwohl er da noch gar nicht geboren war.

Ein Hoch auf die dichterische Freiheit.

Euphorion macht seinem Namen alle Ehre und überschätzt seine Kräfte.

Bei einem übermütigen Flugversuch kommt er schließlich ums Leben.

Ist wohl nicht so ganz geglückt, die Landung nach dem Höhenflug.

Am Ende dieser Szene hat Mephisto einen Auftritt nach seinem Geschmack.

Mit viel Tamtam, Rauch, Blitz und Donner, wie bereits im ersten Teil bei seiner Verwandlung aus dem Pudel, legt er die Gestalt der Chorleiterin ab und gibt sich zu erkennen.

Das hat Gänsehautfaktor!

Vierter Akt

Faust ist aus den vom ihm selbst erschaffenen Arkadien in ein Hochgebirge getragen worden und phantasiert mal wieder, diesmal beim Betrachten einer Wolke.

Mal sieht er Helena darin, dann wieder holen ihn Bilder aus Kindheitstagen ein.

Mephisto nutzt indes zur Fortbewegung Siebenmeilenstiefel und behauptet, das Erzgebirge höchstpersönlich gemacht zu haben. Was für ein Angeber.

Faust kann er damit jedenfalls nicht beeindrucken.

Der hat nämlich andere Sorgen.

Er hat endgültig die Nase von den Frauen voll und beschließt deshalb, lieber die Gewalt und Kontrolle über die Natur haben zu wollen. Auch das noch.

Mephisto ist genervt. Jetzt hat er sich so abgerackert, um Faust mit Helena zusammenzubringen und immer noch sagt der die entscheidenden Worte nicht.

Aber unser Teufel gibt nicht auf.

Der Kaiser befindet sich sowieso gerade in einem Krieg gegen einen Gegenkaiser und so entscheidet Mephisto, ihm aus der Patsche zu helfen, um als Gegenleistung Land für Faust zu verlangen.

Dabei sollen ihm die drei Gewaltigen helfen.

Und die haben so lustige Namen, dass ich sie Ihnen nicht vorenthalten will.

Sie heißen Raufebold, Habebald und Haltefest.

Diese Namen in Kombination mit den Siebenmeilenstiefeln haben mich kurz zweifeln lassen, ob ich nicht versehentlich ein Buch von den Gebrüdern Grimm erwischt habe, aber ein Blick auf den Buchrücken bestätigt: Wir haben es hier wirklich mit Goethe zu tun.

Mephisto, Faust und die drei Gewaltigen schlagen die Gegner des Kaisers in die Flucht und trotzen auch noch den Plünderern, die sich im Anschluss den Schatz unter den Nagel reißen wollen.

Nach dem Sieg erfolgt das große Länderverteilen.

Der Kaiser gibt erst einmal vier Fürsten ganz schön viel davon, weil sie ihm tapfer zur Seite standen.

Dann mischt sich der Erzbischof ein.

Der hat nämlich geschnallt, dass der Sieg nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, droht damit, das zu verraten und hält ordentlich die Hand auf.

Wie scheinheilig.

Aber das kennen wir ja schon von dem Pfarrer aus Teil 1, der Gretchens Schmuck gezockt hat.

Faust bekommt immerhin einen Bezirk am Strand zugeteilt. Besser als gar nichts.

Aber wird ihn das nun endlich zufriedenstellen?

Fünfter Akt

Nicht wirklich!

Faust gefällt sich ganz gut in seiner Rolle als Herr des Landes, aber er kriegt den Hals einfach nicht voll.

Bis auf eine kleine Hütte, in der ein altes Paar lebt, erinnert nichts mehr an die vergangenen Zeiten.

Und diese Hütte will Faust natürlich auch noch haben.

Erst einmal ist er aber dabei, dem Meer Land abzujagen, um seinen Besitz zu vergrössern.

Die alten Leute aus der Hütte erzählen in der Zwischenzeit einem Wanderer, dass nachts merkwürdige Dinge geschehen.

Sie haben Flammen und Rauch gesehen, begleitet von einem fürchterlichen Getöse.

Und morgens hatten sie dann plötzlich einen Damm vor der Nase.

Sie sind davon überzeugt, dass Faust ein begnadeter Techniker ist.

Aber wir können uns ja denken, wer da wieder seine Hände im Spiel hat…

Die Zeit vergeht und unser Heinrich ist inzwischen ein alter Tattergreis geworden.

Da hilft auch kein Verjüngunstrunk mehr.

Leider ist die Weisheit komplett an ihm vorbei gegangen, denn er ist total unzufrieden, weil er noch immer nicht die Hütte der beiden Alten in Besitz nehmen konnte.

Gerade von dort aus will er aber sein komplettes Werk betrachten.

Mephisto hat sich vorerst vom Acker gemacht. Faust geht ihm mit seinen ständigen Forderungen auf die Nerven.

Er braucht jetzt erst mal eine entspannende Abwechslung.

Und so zieht er mit seiner ganz persönlichen Dreieinigkeit bestehend aus dem Krieg, dem Handel und der Piraterie über die Meere und kapert rücksichtslos alles, was ihm in die Quere kommt.

So lässt es sich leben, denkt sich der Teufel.

Aber irgendwann fällt ihm ein, dass er ja immer noch nicht seine Wette gegen Faust gewonnen hat und so kehrt er zu ihm zurück.

Sogleich jammert unser Heinrich dem Teufel die Ohren voll und setzt ihn unter Druck, die Alten endlich aus der Hütte zu vertreiben, da er von dort aus den besten Überblick über sein Land habe.

Was ist bloß aus unserem Faust geworden! Der Umgang mit dem Teufel scheint ihm wirklich nicht gut zu tun.

Mephisto hätte sich zwar lieber mit seinen zwielichtigen Kumpanen an der reichen Beute erfreut und ein Fest gegeben, aber ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich etwas einfallen zu lassen, um Faust endlich zufriedenzustellen. Und so schreitet er zu Tat.

Faust harrt derweil der Dinge und hört dem Gesang des Türmers zu, der in seinem Song in allen Einzelheiten beschreibt, dass die Alten grausam zu Tode gekommen und ihre Hütte niedergebrannt worden sei.

Naja, mit der Realität nimmt es unser alternder Gigolo ja nicht so genau.

Schließlich hat Mephisto ihm erzählt, die Alten seien freiwillig ausgezogen und er habe ihnen zum Dank dafür ein viel größeres Haus geschenkt.

Und wer käme schon jemals auf die Idee, dass ein Teufel lügen würde.

Faust jedenfalls  hat wichtigeres im Kopf und beschwert sich bei Mephisto, dass dieser die schönen Linden niedergebrannt hat, auf denen er sich seinen Hochsitz bauen wollte um über das inzwischen weit entfernte Meer zu blicken.

Und so langsam dämmert ihm auch, das wohl doch was dran sein könnte an dem neuesten Hit des Türmers.

Er stellt Mephisto zur Rede.

Der gibt zähneknirschend zu, dass er mit den drei Gewaltigen Habebald, Raufebold und Haltefest wohl nicht die optimalste Wahl zu einer Umsiedlung der Alten getroffen habe.

Die drei Blödmann´s Gehilfen haben die Sache eben auf ihre Art erledigt.

Da die Alten nicht freiwillig gehen wollten, erschreckten sie sie zu Tode und legten alles in Schutt und Asche.

Faust ist sauer und schnauzt Mephisto mit den Worten „Wart Ihr für meine Worte taub? Tausch wollt ich, keinen Raub!“ an.

Mephisto kontert, dass das ja wohl aus Faust´s Aufforderung „So geht und schafft sie mir zur Seite.“ nicht hervorging.

Tja, bei einem Handel mit einem solch finsteren Gesellen sollte man wohl wirklich jede Silbe auf die Goldwaage legen.

Das wird sich Faust aber merken und wer weiß, vielleicht schlägt er am Ende den Teufel noch mit seinen eigenen Waffen.

Zunächst hat unser Heinrich aber nichts anderes im Sinn, als das Geschehene ganz schnell zu verdrängen. Ausserdem will er raus aus der Macht des Teufels.

Das klappt auch ganz gut, bis ihm vier graue Weiber begegnen.

Der Mangel, die Not und die Schuld in Persona versuchen, ihn zu erreichen und machen ihm reichlich Vorwürfe.

Schließlich hat er ja nun schon einige Menschen auf dem Gewissen und kümmert sich auch trotz seines großen Reichtums einen Kehricht um die Armen seines Landes.

Es scheint, als habe der Egoismus vollständig Besitz von Faust ergriffen, denn all das lässt ihn kalt.

Doch dann greift die vierte alte Dame, die Sorge, zu einer List und lässt Faust erblinden.

So ist der Gute nun auf sein Innenleben reduziert. Ob ihm das wohl gefällt?

Ausserdem wüsste ich zu gern, wo diese Dame wohl wohnt und ob sie noch Aufträge entgegen nimmt.

Die Zeit vergeht.

100 Jahre alt, blind, des Lebens müde und nun buchstäblich ohne jeden Durchblick beschliesst Faust, den Bedürftigen zu helfen und ihnen das Land zu geben, das er dem Meer abgeluchst hat. Gesagt, getan.

Mit dieser großen Tat hofft er, sich in der Menschheit ein Denkmal errichtet zu haben und findet so endlich den lang ersehnten Sinn seines Lebens.

Glücklich bekennt er: „ Zum Augenblicke dürft´ ich sagen: Verweile doch, Du bist so schön(…)“.

Doch halt! Kein Grund zur Panik! Die Wette hat Heinrich trotzdem nicht verloren.

Das kleine Wörtchen „dürft´“ hat ihn aus den Klauen des Teufels gerettet.

Was so ein Konjunktiv alles kann. Beeindruckend.

So schnaubt nun unser Mephisto vor Wut und unser Faust kann in der Gewissheit sterben, ihm nicht auf ewig in der Unterwelt dienen zu müssen.

Unser Teufel wäre aber nicht der Teufel, würde er sich mal so eben geschlagen geben.

Nachdem Faust gestorben ist, lauert Mephisto an seiner Leiche, um sich seine Seele nicht durch die Lappen gehen zu lassen.

Aber auch die Gegenseite ist mit allen Wassern gewaschen.

Der Chor der Engel streut nun Rosen, welche Mephisto in Liebesgelüste ausbrechen lassen.

Zu deutsch: der Teufel ist spitz wie Nachbar´s Lumpi und stellt nun seinen höllischen Gehilfen, den Lemuren, die Faust´s Grab ausgehoben haben, auf´s Übelste nach.

Die fühlen sich so bedrängt, dass sie auf der Flucht vor Mephisto „ ärschlings in die Hölle stürzen“.

Was für eine lustige Vorstellung!

Mangels brauchbarer Objekte seiner Begierde macht sich Mephisto nun an die Engel ran, weil ja sonst keiner mehr da ist.

Unnnötig zu erwähnen, dass er natürlich nicht zum Ziel kommt, doch er verausgabt sich in seiner Rage derart, dass ihm selbst hören und sehen vergeht.

Als er wieder zur Besinnung kommt, sind die Engel mitsamt Heinrich´s Seele verschwunden und der Teufel hat das Nachsehen.

Faust hingegen werden seine Sünden vergeben und er wird von den Engeln in den Himmel getragen, nachdem ihm sicherheitshalber noch Gretchen erschienen ist, die ihm vorausgeht.

Nicht, dass er es sich in letzter Minute doch noch mal anders überlegt hätte mit seinem Abschied von der Erde.

Die beiden sind also in der Ewigkeit vereint und somit wäre das Happy End perfekt.

Und die Moral von der Geschicht`? Den dritten Teil, den gibt es nicht J.

© Faride Sabat,2011,Essen

Geschichte

2008,Essen

Das Leben des Johann Wolfgang von Goethe*

Eine Kurzbiographie der etwas anderen Art

Ganz schön spannend ist es gewesen und bemerkenswert lang für die damalige Zeit, das Leben des Mannes, der uns so beeindruckt hat, dass wir unser Restaurant “Mephisto“ nach einem seiner größten literarischen Erfolge benannt haben.

Und wir sehen ihn regelrecht vor uns, wie er mit einem verschmitzten Lächeln kommentiert, dass es durchaus in Ordnung ist, den Teufel nicht ganz so ernst zu nehmen, solange man die Botschaft, die dahinter steht, verstanden hat.

Wer war er nun also, dieser Goethe, der so gar nicht in das Raster seiner Zeit passte und den Mut hatte, sich so ziemlich gegen alles zu stellen, was damals von Wert war?

Der dabei aber auch so klug vorging, dass er niemals wirklich in ernsthafte Schwierigkeiten geriet?

Lassen Sie sich überraschen.

Geboren wurde Johann Wolfgang von Goethe am 28. August 1749 in Frankfurt. Er war also vom Sternzeichen “Jungfrau“. So manch einer behauptet, das habe nicht ganz zu seinem privaten Lebenswandel gepasst.

Mit seiner Mutter, Catharina Elisabeth Goethe, Tochter eines angesehenen Statthalters, verband ihn Zeit ihres Lebens (sie starb 1808) eine innige Liebe.

Das sah bei seinem Vater, Johann Caspar Goethe, schon anders aus.

Der war Anwalt und führte auch privat mit unserem Goethe einen lebenslangen Prozess (also bis zu seinem Tod 1782), den er auch meistens -zumindest ließ Goethe es so aussehen- gewann.

Goethe senior war ein Macho wie er im Buche steht.

So wundert es uns nicht, dass er seinem Sohn 1765 nach Leipzig schickte, damit er gefälligst Jura studierte und auch Anwalt wurde. Schließlich hatte er selbst sich vom einfachen Tuchmacher zum Anwalt hochgearbeitet und verdiente damit nicht wenig Geld.

Unser Goethe war damals gerade mal 16 Jahre alt, hatte aber schon mehr geblickt, als viele seiner älteren Zeitgenossen. Er hatte aber auch schon einiges durch. Z.B. den Ausbruch des siebenjährigen Krieges 1756. Hier vertrat sein Vater die Partei Friedrichs des Großen (Preußen u. evangelisch) und sein Großvater Textor die der Kaiserin Maria (habsburgisch u. katholisch). Man kann sich vorstellen, wie es da bei Goethe`s zu Hause herging. Ein Glaubenskrieg in den eigenen vier Wänden soll ja eine Menge Stimmung bringen.

Das alles hielt Goethes Vater aber nicht davon ab, seinen Sohn einem strengen Regiment zu unterziehen. Er bekam Privatunterricht in Sprachen, Fechten und Reiten, um nur einiges zu nennen. Volles Programm also.

Da hatte seine 1750 geborene Schwester Cornelia schon ein entspannteres Leben. Mädchen brauchten damals nämlich “nichts“ zu können außer Haushaltführen und Kinderkriegen.

Goethe hatte übrigens noch vier Geschwister, die aber alle im Kindesalter starben, was früher an der Tagesordnung war.

Mit Cornelia verstand Goethe sich prima. Leider wurde sie aber nur 27 Jahre alt.

Nun blühte unserem Goethe also ein nicht gewolltes Studium.

Der Arme fühlte sich reichlich fremdgesteuert.

Na ja, eigentlich schon bekanntgesteuert, denn der Steuermann war ja sein Vater.

Und so schrieb Goethes Leben das nächste Kapitel seiner ganz persönlichen never-ending-story.

Als ob die Diktate durch den Glaubenszwang der Kirche, den absolutistischen Staat, gesellschaftliche Zwänge und geistige Bevormundung, Knechtung und Unterdrückung aller Art nicht ausgereicht hätten. Jetzt stand er vor seinem größten Problem: dem Wunsch, sich vom Diktat seines Vaters zu lösen.

Das war natürlich leichter gesagt als getan. So musste er sich erst einmal unterordnen und nach Leipzig an die Uni gehen.

Nachdem er sich von seinem Kulturschock erholt hatte – das mittelalterliche Frankfurt war nämlich eine Provinz gegen das moderne Leipzig (wie konnte sich das bloß bis zum Mauerfall so rückläufig entwickeln J) – fand er es erst einmal ganz prima, nicht mehr direkt unter der Fuchtel seines Alten zu stehen.

Und gegen das Studieren hatte unser Goethe ja sowieso nichts. Das Problem lag eher in dem nicht freiwillig gewählten Studienfach.

Also beschäftigte er sich mit allem, was ihm an literarischem und geistigem Gut an der Uni in die Quere kam. Mit allem, außer Jura. Und da er ja keine halben Sachen machte, zog er das ganze Programm gleich drei Jahre durch.

Wie gut, dass wir uns in der Zeit der Postkutschen befinden, wo es weder Zeitung, Fernsehen noch Telefon gab, sonst hätte sein Vater bestimmt spitzgekriegt, was sein Filius da so treibt und ihn zurückgepfiffen oder ihm zumindest die Kohle für das Studium gestrichen.

Studieren war nämlich damals ungefähr so schweineteuer wie heute wieder.

In diesen drei Jahren entwickelte Goethe übrigens einen ganz starken Autonomie-Gedanken, der sich auf die gesellschaftlichen Zwänge im allgemeinen und auf seinen Vater im besonderen erstreckte. Ein Thema, das ihn in seinen Werken nie wieder richtig losließ.

So sagte er damals: “So lösen sich in gewissen Epochen Kinder von Eltern, Diener von Herren, Begünstigte von Gönnern los und ein solcher Versuch, sich auf seine Füße zu stellen, sich unabhängig zu machen, für sein eigen selbst zu leben, er gelinge oder nicht, ist immer dem Willen der Natur gemäß.“

Mit diesem Satz ist alles gesagt, was Goethe fühlte und sich wünschte.

Um es mal etwas präziser auszudrücken: Sein alter Herr ging ihm gepflegt auf den Geist.

Und so träumte Goethe später in seinen Werken von völlig eigenständigen Helden, die sich nicht reinreden und sich von nichts und niemandem manipulieren ließen.

Dass Träume eben oft nur Schäume sind, musste Goethe feststellen, als er 1769, schwer erkrankt und ohne abgeschlossenes Jurastudium in der Tasche, nach Frankfurt zurückkehrte.

Und zwar dummerweise natürlich direkt wieder unter den Pantoffel seines alten Herrn.

Wo hätte er sonst auch hingesollt, so ganz ohne Kohle und Ausbildung?

Goethe war nun ersteinmal ziemlich beschäftigt.

Und zwar zum einen mit Gesundwerden und zum anderen mit spekulativer Naturphilosophie, chemischen Experimenten, Malerei, Medizin und Baukunst. Da war nun ein bisschen wenig Jura dabei.

Klar, dass das seinem Alten gehörig gegen den Strich ging und er unserem Wolfgang gründlich dazwischenfunkte. Und so blieb dem nichts anderes übrig, als das Jurastudium inclusiv Doktortitel zu einem anständigen Abschluss zu führen.

Natürlich hatte er immer noch keinen Bock auf einen Anwaltsjob. Offiziell war er nun der Junior-Partner seines Vaters in dessen Frankfurter Kanzlei. Inoffiziell ging er weiter seinen Interessen nach.

1770 musste Goethe auf Befehl seines alten Herrn wieder nach Straßburg zurück, wo er sich weiter mit Jura beschäftigen sollte.

Hier traf er Johann Gottfried Herder, einen überlegenen, kritischen Geist, der einen besonderen Sinn für die Ausdruckskraft einer ungekünstelten Sprache hatte.

Das ist jetzt nett ausgedrückt. Eigentlich war er einfach ziemlich prollig.

Jedenfalls prägte er Goethes Dichtkunst nachhaltig.

Das machte die Literatur unseres Dichters vorübergehend ganz schön volksnah. Aber es nutzte Goethe leider nichts. Es brachte ihm nicht den ersehnten Geldsegen, denn das einfache Volk konnte weder lesen noch sich Bücher leisten.

Herder war wesentlich älter als Goethe und die beiden verband eine innige Freundschaft. Nicht weiter verwunderlich, dass sich Goethe einen väterlichen Freund suchte, bei dem Prachtexemplar von Vater, das da in Frankfurt auf ihn wartete.

In Straßburg wandte sich Goethe unter dem Einfluss Herders Volksliedern und Balladen zu, fand aber auch Gefallen an den Werken Shakespeare`s. Glücklicherweise.

Denn das schwächte den Straßenjargon, den er von Herder gelernt hatte, etwas ab.

Zumindest vorübergehend. So ganz ließ ihn diese sprachliche Variante nämlich noch nicht los.

Er hatte eben wirklich viele Facetten, unser Dichter.

Zunächst einmal entstanden nun mit “Mailied“ und “Willkommen und Abschied“ die ersten Natur- und Liebesgedichte eines neuen, lyrischen Stils.

Hier zeichnen sich bereits die Anfänge einer neuen literarischen Epoche ab. Goethe wird seine eigenen Gedichte aber diesbezüglich noch toppen, wie wir im Folgenden sehen werden.

1772  verschlug es Goethe an das Reichskammergericht in Wetzlar.

D.h., genaugenommen verschlug nicht ES ihn dorthin, sondern ER, nämlich sein Vater. Goethe sollte dort nämlich seine ohnehin nicht vorhandenen Anwaltsqualitäten verbessern. Was er natürlich nicht tat.

Stattdessen verliebte er sich das erste (und bei weitem nicht das letzte) Mal bis über beide Ohren, und zwar in Lotte Buff, die aber dummerweise mit Johann Kristian Kestner verlobt war. Das hielt unseren Goethe nicht davon ab, eine Affäre mit ihr zu beginnen. Aber da gehören ja immer noch zwei dazu. Oder auch mehrere. Kestner jedenfalls wusste von der Liason.

Lotte machte das Dreiecksverhältnis eine ganze Weile mit, entschied sich aber am Ende für ihren Verlobten.

Eine unglückliche, aussichtslose Liebe für unseren Dichterfürsten also.

Und die finden wir in seinem kurz darauf entstandenen ersten Welterfolg “Die Leiden des jungen Werther“ wieder, in dem er in Briefform von einem Bürgerlichen und dessen unerwiderter Liebe zu einer Tochter aus gutem Hause, die bereits mit einem Amtsmann verlobt ist, berichtet.

Wie es sich für ein Drama gehört, endet es natürlich furchtbar unglücklich, und zwar mit dem Selbstmord Werthers.

Da kriegt man eine Vorstellung davon, wie sehr Goethe gelitten haben muss.

Er selbst soll sich in seiner Verzweiflung sogar eine Pistole an den Kopf gehalten haben.

Glücklicherweise entschied er sich dann aber für schreiben statt schiessen.

Doch etwas ist anders an diesem Stück. Zum einen die bereits erwähnte Briefform, die von Richardson und Rousseau geschaffen und von Goethe fortgebildet wurde, zum anderen aber auch die Art, mit der Goethe den Selbstmord seiner Hauptperson beschreibt. Und die war skandalös und schwärmerisch zugleich. Endlich war mal so richtig was los in der Literatur .

Goethe machte seinen Lesern unmissverständlich klar, dass der Freitod Werthers die einzig richtige und logische Konsequenz in dessen auswegloser Lage war.

An dem Brocken hatten die Nation und Goethes Dichterkollegen lange zu schlucken. Manch einer hat ihn gar nicht heruntergekriegt. Schiller soll fast tot umgefallen sein. Das machte er dann aber doch erst später.

Der Selbstmord seines dramatischen Helden lässt noch weitere Parallelen zu Goethes Leben zu.

Kurz nachdem er Wetzlar verlassen hatte, erreichte ihn die Nachricht, dass ein Studienkollege sich wegen einer unglücklichen Liebe das Leben genommen hatte.

Goethe fand, dass da endlich mal einer was richtig machte. Besser tot als unglücklich.

Goethe selbst bezeichnete Werther als eine Art Selbstreinigung, eine Therapie, die er dringend brauchte, um sein altes Leben hinter sich zu lassen. Wahrscheinlich ist Goethe also der Entdecker der Schreibtherapie.

Auch sonst bediente er sich einiger recht eigenwilliger Selbsttherapien.

So kletterte er zum Beispiel auf die Turmspitze des Frankfurter Münsters, um seine Höhenangst zu überwinden. Und er marschierte inbrünstig neben Militärkapellen her, um seine Lärmempfindlichkeit in den Griff zu bekommen.

Nun hängte sich also mit seinem Werk ganz schön aus dem Fenster.

Besonders, als auch noch eine junge Adelstochter mit einer Ausgabe des “Werther“ ins Wasser ging. Leider war das Buch nicht mitgesunken, obwohl es doch so schwere Kost enthielt.

Dumm gelaufen, denn dafür sank Goethe und zwar auf der Beliebtheitsskala etlicher zahlungskräftiger Kunden auf weit unter null. Was ihn aber nicht weiter störte. Ihm war wichtig, dass er sich beim Schreiben nicht verstellte. Das tat er ja schließlich schon zu Hause. Und damit musste es genug sein.

Was die tote Adelstochter anging, kostete die ihn nicht eine einzige schlaflose Nacht.

Unser Wolfgang hatte zu dem Zeitpunkt seine Schuldgefühle eben ganz gut im Griff.

Gehen wir kurz in uns, dann brauchen wir nicht viel Phantasie, um uns vorzustellen, wie toll die Kirche dieses Drama fand und dass sie es am liebsten verboten hätte. Und von Goethes Vater wollen wir gar nicht erst reden. Der kam vor lauter Fremdschämen gar nicht mehr zum Prozessieren. Sein Sohnemann freute sich natürlich, dass er ihm eins auswischen konnte.

Und trotz oder vielleicht auch gerade wegen des großen Wirbels, der um das Buch gemacht wurde war eines klar: Goethe hatte den Zahn der Zeit getroffen und seinen ersten Besteller gelandet.

Immer noch fasziniert von einer rohen, unverblümten Sprache kehrte Goethe nach Frankfurt zurück und kramte die Selbstbiographie des Ritters Gottfried von Berlichingen aus dem Keller des 16. Jahrhunderts. Aus der gleichen Zeit stammt übrigens auch die damals nicht veröffentlichte Prosa-Erzählung des Faust-Dramas. Die musste aber noch ein paar Jährchen warten.

Goethe schrieb mit “Götz von Berlichingen“ ein weiteres Drama und griff dabei auf die derbe, altdeutsche Sprache zurück, um sich von der von ihm verhassten höfischen Rokoko- Gesellschaft zu distanzieren. Sicherlich ist Ihnen der bekannteste Satz aus diesem Werk ein Begriff, so dass ich auf ein wörtliches Zitat mit gutem Gewissen verzichten kann J .

Das Drama wurde damals übrigens nie aufgeführt. Es war einfach zu lang und so unverschämt, das es vermutlich eine Revolution ausgelöst und die Jugend komplett verzogen hätte.

Goethe war nun zum geistigen und literarischen Führer des “Sturm und Drang“ geworden.

Laut und ungestüm verkündete er – sehr zur Begeisterung der Kirche, des Adels und nicht zuletzt seines Vaters – mit seinen wichtigsten Gefährten Michael Reinhold Lenz, Maximilian Klinger und Heinrich Leopold Wagner die neuen Forderungen einer neuen Zeit: Natur, Gefühl, Freiheit und personales Kraftbewusstsein. Back to the roots also sozusagen.

Von den Anwaltsallüren seines Vaters hatte Goethe schon lange die Nase voll und seine Frankfurter Verlobte Lilli Schönemann, Tochter eines angesehenen Bankiers, drängte auch so langsam auf Heirat. Nichts lag Goethe jedoch ferner, als sich eine Frau und Kinder ans Bein zu binden und sich einer finanziellen Verantwortung zu stellen. Schon gar nicht in der Nähe seines Vaters.

Und so folgte er 1775 dem Ruf des völlig unbedeutenden Kleinfürsten Karl August an dessen Hof in Weimar.

Und jetzt muss sich der aufmerksame Leser wundern. Unser Goethe stellt sich in den Dienst der von ihm so verachteten weltlichen Herrschaft?!

Werfen wir einen Blick hinter die Kulissen.

Goethe schlug nämlich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen schaffte er eine räumliche Trennung zu seinem Vater und entkam seiner Verlobten, zum anderen erlangte er endlich finanzielle Unabhängigkeit. Er ging keineswegs als Hofdichter nach Weimar, sondern als Günstling und Favorit des Fürsten, der ihn sogar 1776 gegen alle Widerstände seiner Verwaltungsbeamten zum Mitglied des “Geheimen Conseils“ machte.

Karl August war übrigens sogar jünger als Goethe und die beiden ließen es so richtig krachen. Jedenfalls wenn nicht gerade Krieg war.

Wein, Weib, Gesang, nichts war ihnen fremd. Goethe testete also Mephisto`s Tricks in einem Selbstversuch ausgiebig.

Er lebte wie die Made im Speck, wurde reich besoldet, bekam sein heute noch berühmtes Gartenhaus vor der Stadt geschenkt und erhielt auch noch einen Adelstitel. Den bekam er übrigens – anders als sein Vater, der sich gegen ein beachtliches Schmiergeld zum “kaiser- lichen Rat“ ernennen ließ- ganz umsonst.

Ein bisschen arbeiten musste Goethe aber auch. Er war verantworlich für verschiedene Zweige der Verwaltung, für den Wegebau, den Bergbau und das Finanzwesen.

Das klingt jetzt nach einem superstressigen Job. War es aber gar nicht, denn Weimar hatte damals nur 6.000 Einwohner, das gesamte Herzogtum nur 106.000.

Nebenbei verwaltete Goethe das höfische Theater. Er lehnte es Zeit seines Lebens niemals ab, auch einmal etwas ganz normales, profanes zu schreiben. So sagte er einmal zu seinem Freund Merck, der Goethes Drama “Clavigo“ als unbedeutend abkanzelte: “Muss ja doch nicht alles über alle Begriffe hinausgehen, die man nun einmal gefasst hat; es ist auch gut, wenn manches sich an den gewöhnlichen Sinn anschließt.“

Deshalb stammen auch zahlreiche Widmungs- und Huldigungsverse, Singspiele und Maskenzüge für höfische Feste aus Goethes Feder.

Ein bisschen bedachte er da auch den Grundsatz, dass eine Hand die andere wäscht

Die Partys seines Fürsten waren jedenfalls über die Stadtmauern hinaus bekannt.Und die Gäste mussten ja unterhalten werden.

Ja, ja, er konnte auch sehr bescheiden sein, unser Dichter. Zumindest augenscheinlich.

Dazu muss man aber wissen, dass Goethe solche “normalen“ Sachen mit links nebenbei schrieb. Für “Clavigo“ brauchte er genau anderthalb Wochen.

In der Zeit bekommt so manch einer nicht einmal seinen Harz IV-Antrag ausgefüllt.

Außerdem konnte er es sich aussuchen, was und wie viel er für wen schreiben wollte.

Das unterschied ihn gewaltig von anderen, ebenso talentierten Zeitgenossen. Denken wir einmal an die Werke eines Gotthold Ephraim Lessing und stellen uns dann vor, dass dieser beim Herzog von Braunschweig als Bibliothekar arbeiten musste, dann wird uns doch ganz anders.

Ganz zu schweigen von Goethes Freund Friedrich Schiller, der in einer so großen Armut lebte und auch starb, dass er sogar in einem Armen-Massengrab beigesetzt wurde.

Ob es nun großmutig oder einfach nur makaber war, dass Goethe Schillers Schädel (wenn es denn seiner war) aus eben diesem Grab ausbuddeln und in sein Haus bringen ließ, möge jeder für sich entscheiden.

Jedenfalls tragisch, dass zu damaligen Zeiten das Lesen nur den oberen 10.000 vorbehalten war. Das gemeine Volk beherrschte es oft gar nicht.

Leider hat sich daran ja bis heute nichts geändert. Oder können Sie sich vorstellen, dass die Bücher o.g. Autoren gegen so geistig wertvolle TV-Sendungen wie “X-Diaries“ oder “Familien im Brennpunkt“ eine reelle Chance hätten?

Eines jedenfalls wird uns klar – so ganz ohne Hintergedanken stand Goethe seinem Fürsten nicht zur Seite. Er wusste genau, dass er von der Feder allein niemals hätte leben können und so erkaufte er sich seine Freiheit, sich den Dingen zu widmen, die ihn wirklich interessierten, mit einer hochironischen Unterordnung am Hof.

Geschickt eingefädelt. Denn wie sonst hätte er eine großzügige Versorgung, finanzielle Sicherheit, zusätzliches Ansehen und Einfluss bei komplett freier Zeiteinteilung für so wenig Gegenleistung bekommen?

Das kriegen heute doch gerade einmal die Häschen von Rolf Eden auf die Reihe.

Zumindest bis auf das Ansehen und den Einfluss.

Goethe jedenfalls wusste eine Menge mit seiner freien Zeiteinteilung anzufangen.

Zunächst einmal verbrachte er viel Zeit mit der wesentlich älteren Charlotte von Stein, mit der ihn zehn Jahre lang eine innige Freundschaft verband. Und obwohl die beiden niemals etwas miteinander hatten, reagierte Charlotte sehr allergisch, als sie erfuhr, dass ihr Wolfgang heiraten wollte. Natürlich eine andere. Sie fuhr sogar zu seinem Fürsten nach Weimar und versuchte, den dazu zu bringen, die Hochzeit zu verhindern. Machte er aber nicht und petzte stattdessen bei Goethe. Der daraufhin gleich einmal die Freundschaft mit Frau Stein beendete. Gegen Manipulation war Goethe eben hochgradig allergisch.

Wie sehr das Ende der Freundschaft die Arme mitgenommen hat, kann man erahnen, wenn man hört, dass ihre Schwester alle Briefe Goethes an Charlotte verbrannte.

Das muss ein großes Feuer gewesen sein.Es waren nämlich 1.700 Briefe.

Man muss sich wundern, dass Goethe für eine solche Menge Briefe auch noch die Zeit gefunden hat.

Ein paar weniger und er hätte vielleicht nicht so viele unvollendete Werke hinterlassen.

Ansonsten widmete sich Goethe der Zoologie, Botanik und Anatomie, Geologie, Mineralogie, der physiologischen Optik und vor allem dem Phänomen der Farbe.

An ihm ging ein guter Gerichtsmediziner verloren. Seiner Beobachtungsschärfe verdankt die Menschheit eine anatomische Entdeckung; er wies das bis dato bestrittene Vorhandensein des Zwischenkieferknochens im menschlichen Schädel nach.

Ob er dafür Schillers Schädel benutzte ist der Autorin nicht bekannt.

Anatomie interessierte Goethe aber schon in jungen Jahren. Er zog sich an der Uni einige Obduktionen rein. Die waren ja auch spannender als die trockenen Gesetzestexte.

Goethe liebte es außerdem, sich schöne Dinge anzusehen.

Damit er auch viel zum Anschauen hatte, sammelte er alles, was nicht niet – und nagelfest war. Kupferstiche, Bücher, Handschriften, Gemmen (geschnittene Edel- und Halbedelsteine), Pflanzen, Steine und auch Frauen J .

Sein Haus in Weimar glich einem geordneten Museum.

Goethe hielt sich eben  an seinen selbst erstellten Grundsatz: “Die Sachen anzusehen so gut wir können, sie in unser Gedächtnis schreiben, aufmerksam zu sein und keinen Tag ohne etwas zu sammeln vorbeigehen zu lassen.“

Neben der Sammelleidenschaft malte und zeichnete Goethe auch sehr gern und er hatte eine Abneigung gegen die Mathematik, weswegen er besonders Newton hasste.

Dem wollte er übrigens post mortem mit seiner 1810 erschienenen naturwissenschaftlichen Ausführung zur Farbenlehre gründlich eins auswischen, was aber voll in die Hose ging.

Das Werk wurde ein totaler Flop.

Goethe war eben doch mehr Dichter als Biologe oder Chemiker.

Auch der Musik war unser Dichter zugetan. Er hatte ja auch recht berühmte Zeitgenossen. So hörte er schon als Kind das erste Konzert des damals siebenjährigen Mozart. Damals war eben noch Live- Musik angesagt. Was für ein Gesicht würde Mozart wohl machen, sähe er sich heute auf  MTV oder Viva oder höre seine “kleine Nachtmusik“ über einen MP3-Player?

Vorrausgesetzt natürlich, er wäre vorher überhaupt an der überaus kompetenten Fachjury von “DSDS “ vorbeigekommen. Ein cooles Video hätte es dann jedenfalls gegeben. Der kleine Mozart konnte nämlich mit verbundenen Augen Märsche ins Klavier hämmern und Tonhöhen am Klang von Weingläsern erkennen.

Unser Goethe hatte noch eine weitere Leidenschaft: Das Reisen.

1779 wurde er Weimarer Minister, reiste in die Schweiz, von da aus weiter nach Italien, wo er Kunstwerke und Pflanzen studierte und untersuchte schließlich in Karlsbad Steine. Nebenbei widmete er sich intensiv dem Phänomen der Wolkenbildung. Ein bisschen träumen hat ja noch keinem geschadet.

Italien beeindruckte ihn so nachhaltig, dass er sich 1786 mal eben für zwei Jahre dorthin absetzte. So ganz ohne Ankündigung, ohne Urlaub-Einreichen oder ähnliches. Woran man mal wieder erkennt, was für einen dicken Stein er bei seinem Fürsten im Brett hatte, sonst hätte der sich so etwas wohl kaum bieten lassen.

Durch diese Aktion zog Goethe sich den Unmut seines Freundes Schiller zu, der, wie wir ja bereits gehört haben, am Existenzminimum vor sich hinkrebste, während Goethe es sich am A…. der Welt gut gehen ließ.

1788 kehrte Goethe nach Weimar zurück, ließ sich von allen Amtsgeschäften entbinden, behielt nur noch die Oberaufsicht über die “Anstalten für Wissenschaft und Kunst“ und leitete noch bis 1817 das Hoftheater.

1792 schenkte der Fürst Goethe das alte Haus am Frauenplan. Das bot eine Menge Platz.

Goethe sammelte einen wahren Hofstaat um sich. Sekretäre, Helfer, Besucher und natürlich seine zukünftige Frau, Christiane Vulpius.

Und dann hatte Goethe ja noch etwas wieder gutzumachen.

1794 schloss er ein Bündnis mit Schiller, der 1799 sogar eine Zeit lang nach Weimar übersiedelte. Die beiden waren so unterschiedlich wie Katz und Maus, und es entstand ein bemerkenswerter Briefverkehr zwischen ihnen. Diese Briefe existieren noch heute in einer Sammlung.

Wie gut, dass es damals weder Telefon oder Handy, noch E- Mails gab.

Bis zu seinem Tod 1805 war Schiller einer der wichtigsten Wegbegleiter Goethes. Ihr Gedankenaustausch führte zu weltbekannten Werken wie dem “Zauberlehrling“.

Mit Schiller starb auch die Epoche der Klassik.

Unser Goethe sehnte sich inzwischen nach etwas weniger Rummel.

Die französische Revolution 1789, in deren Verlauf er seinem Fürsten, dessen Stuhl gehörig wackelte, auf dem Schlachtfeld zur Seite stehen musste, hatte ihn viel Kraft gekostet.

Er kam dabei zwar viel rum, aber das war nicht die Art von Reisen, die unser Dichter liebte.

Goethe hatte verkannt, dass der von ihm angestrebten Freiheit des Einzelnen zuerst einmal eine Freiheit des Bürgertums vorausgehen musste. Und so war er schwer geschockt, als Napoleon 1806 aus dem Krieg als Sieger hervorging.

Zum Glück hielt er es weiterhin für seine Pflicht, “den geistigen Besitzstand der Deutschen durch seine Werke zu vermehren“ wie er es selbst nannte.

Und da hatte er ja noch einiges zu tun.

Zunächst einmal kümmerte er sich – Gott sei`s getrommelt und gepfiffen- um den ersten Teil des Faust. Damit hatte er 1773 schon angefangen, aber irgendwie kam ihm ja immer was dazwischen. 1808 wurde er endlich damit fertig.

Mit “Faust“ schaffte Goethe einen weiteren wahren Selbsthelfer, wie es schon Werther oder Prometheus in seinen früheren Werken waren. Und macht dem Leser gnadenlos deutlich, wo es hinführt, wenn man sich von jemand anderem lenken lässt.

Faust wird es jedenfalls sicherlich in der ein oder anderen Situation arg bereut haben, dass er sich nicht doch am Anfang des Stückes wie geplant das Leben genommen hat.

1814 kehrte Goethe nach Frankfurt zurück, nachdem er sich eingehend mit orientalischer Literatur beschäftigt hatte. 1819 erschien der “west-östliche Divan“.

Da war unser Dichter immerhin schon 69 Jahre alt.

Goethe war bis zu seinem Tod bei bestem geistigen Verstand.

Seine dichterische Gabe blieb ihm komplett erhalten und so vollendete er 1831 das Werk des Faust mit dem zweiten Teil und dem Urfaust. Auf den letzten Drücker sozusagen.

Und das, obwohl er noch an dem Tod seines Sohnes August 1830 zu knacken hatte.

Bei dem verhielt sich Goethe übrigens genauso autoritär wie sein eigener Vater ihm gegenüber

Man hätte vermuten können, dass er aus den Fehlern seiner Familiengeschichte gelernt hatte, aber so weit fiel der Apfel dann wohl doch nicht vom Stamm.

Goethe hatte übrigens – wen wundert es in einem Zeitalter ohne Pille, Spirale und Kondom – mehrere Kinder.

Nebenbei entstanden noch einige faszinierende Altersgedichte wie z.B. die “Marienbader Elegie“, in der uns alle Elemente seiner lyrischen Sprachkunst noch einmal geballt treffen.

Auch privat erfreute Goethe sich bis zum Ende bester Gesundheit. Oder sollte ich besser sagen Potenz?

Nach dem Tod seiner ersten Frau Christiane 1816 und einer kurzen Liason mit Marianne von Willemer hängte Goethe sein Herz an die erst neunzehn Jahre alte Ulkrike von Levetzow.

Er hätte sie gern geheiratet, hielt auch bei ihrer Mutter und später bei ihr persönlich um Ihre Hand an. Doch er blitzte höflich ab.

Zu groß war der Altersunterschied zwischen den beiden und die zu erwartende Verachtung durch die Gesellschaft. So blieb es dann bei einer Liebelei.

1832 starb Goethe.

Die arme Ulrike kam niemals über seinen Tod hinweg.

Sie wurde über neunzig Jahre alt und es gab in ihrem Leben niemals einen anderen Mann.

Das war dann aber auch endgültig das letzte Drama, das wir unserem Wolfgang zu verdanken haben.

Ob seine vielen Frauen –  und ich habe wirklich nur die wichtigsten genannt – seine Musen waren?

Lassen wir es mit einem Augenzwinkern dahingestellt und sind wir dankbar für einen deutschen Dichter, der in seinem langen Leben viel in unserer Literatur und Geschichte bewegt hat, dessen Werke bis heute nichts an Aktualität eingebüsst haben, und dessen Worte den faszinierten Leser noch immer mit viel Wahrheit und Emotionen mitten ins Herz treffen.

©Faride Sabat,2010,Essen